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13.10.2020 Welt-Thrombose-Tag

Volkskrankheit Thrombose: Fachbeitrag

Die tiefe Venenthrombose ist mit 40-180 Fällen pro 100.000 Einwohnern jährlich die dritthäufigste Herz-Kreislauferkrankung in Deutschland. Die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter. Mehr als 50 % aller Thrombosen finden sich bei Menschen mit Krebserkrankungen. Von einer Thrombose spricht man, wenn ein Gerinnsel ein Gefäß, insbesondere eine Vene, verstopft. Solche Blutgerinnsel finden sich oft in den tiefen Bein- und Beckenvenen. Sie sind besonders gefährlich, weil sie sich loslösen und in der Lungenstrombahn hängen bleiben können. Man spricht dann von einer Lungenembolie, die je nach Ausmaß lebensbedrohlich werden kann. Allein in Deutschland sterben jährlich rund 100.000 Menschen an einem Gefäßverschluss aufgrund von thrombotischen Erkrankungen, die medizinisch als venöse Thromboembolie bezeichnet werden.

Auch Covid19 erkrankte Patienten leiden an einer erhöhten Thromboseneigung. Pathologen der Uniklinik Hamburg Eppendorf obduzierten 12 Covid19 Patienten. In 7 Fällen (mehr als die Hälfte) wurde ein frisches thrombembolisches Ereignis gefunden. Bei 4 Patienten führte eine massive Lungenembolie bei tiefer Beinvenenthrombose zum Tod. 3 Patienten hatten eine tiefe Beinvenenthrombose ohne Embolie (2).

Typische Risikofaktoren einer Thrombose sind neben der Krebserkrankung, Operationen und Immobilität bzw. Bettlägerigkeit. Auch sehr langes Sitzen beispielsweise vor den Computer oder Flug-oder Busreisen länger als 8h bei über 50-Jährigen mit Krampfadern erhöhen das Thromboserisiko. Zu den Frauenspezifischen Risikofaktoren zählen Schwangerschaft und Wochenbett, sowie die Einnahme der „Pille“ oder die Hormonersatztherapie. Aber Achtung: ca. 40% aller Patienten erleiden eine Thrombose ohne erkennbaren Auslöser.

Wie sehen die typischen Warnsignale aus? Wenn es zu einer meist einseitigen Schwellung am Fußknöchel, Unterschenkel oder gar am ganzen Bein kommt mit typischen Spannungsgefühl, Schmerzen in der Wade beim Auftreten, Überwärmung des geschwollenen Beines oder Blaufärbung der Haut am Bein, wenn es herabhängt, dann sollte man an eine Thrombose denken, bereits auch wenn nur ein Merkmal vorliegt und sich sofort zum Arzt begeben. Bei bettlägerigen Patienten können diese Symptome allerdings auch fehlen oder auch sehr unspezifisch sein.

Der Arzt veranlasst bei Thrombose oder Embolie-Verdacht eine Blutentnahme und bestimmt die sog. D-Dimere, die bei Erhöhung Hinweise auf ein vorhandenes Gerinnsel in der Blutstrombahn sein können. Es folgt eine Ultraschalluntersuchung der tiefen Beinvenen. Für die Untersuchung der Beckenvenen und der unteren Hohlvene sind die Computer-Tomographie und die Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) verlässliche Methoden, eine Thrombose zu diagnostizieren. Bereits bei Thromboseverdacht erfolgt die sofortige Gabe einer gerinnungshemmenden Substanz, beispielsweise Heparin, um den Thrombus am Wachsen zu hindern und ihn im Verlauf aufzulösen. In der Regel wird anschließend eine gerinnungshemmende Substanz in Tablettenform (sog. NOAK oder Markumar), je nach Ursache und Ausmaß über 3-6 Monate, ggf. bei weiter vorhandenen Risikofaktoren auch länger, verabreicht. Zusätzlich wird ein zwar unbeliebter, aber sehr effektiver Kompressionsstrumpf verordnet. Er hilft anfangs, die Beschwerden und die Schwellung schnell zu beseitigen. Langfristig verhindert der Strumpf durch Gegendruck krankhafte Hautveränderungen und die Entwicklung eines offenen Beins (postthrombotisches Syndrom). Er muss nur tagsüber auf dem Thrombose-Bein getragen werden.

Alle „Alarmglocken“ sollten angehen, wenn zu dem dicken Bein akute Luftnot oder/und Schmerzen beim Einatmen hinzukommen. Diese Symptome deuten auf eine mögliche Lungenembolie hin. Das heißt, dass sich der Thrombus in der Vene abgelöst hat und mit dem Blutstrom über das Herz in die Lunge verschleppt worden ist und dort hängen bleibt. Er verschließt in der Lunge Adern, die für die Lungendurchblutung und damit für die Atmung notwendig sind, denn ohne das Blut in der Lunge kann der Sauerstoff aus der Atemluft nicht in den Körper transportiert werden. Bei derartigen Beschwerden sollten Sie daher sofort einen Arzt aufsuchen oder einen Rettungswagen rufen. Mithilfe verschiedener Verfahren (Wells score, Herzultraschall, Röntgenkontrastmittel unterstützte Computer-Tomographie oder Lungenszintigraphie) kann eine Lungenembolie gesichert werden. Je nach Ausmaß der Embolie, den Begleiterkrankungen, der Blutgase und der Beschwerden wie Atemnot erfolgt meist die stationäre Aufnahme in eine Klinik. Bei einem drohenden Herz- Kreislaufversagen infolge der Embolie wird der Patient auf die Intensivstation aufgenommen. Hier kann im Falle eines Kreislaufschocks in ausgewählten Fällen eine Lysetherapie erfolgen, die das Lungengerinnsel möglichst schnell auflösen soll und den Blutfluss durch die Lungenstrombahn ermöglicht um sauerstoffreiches Blut wieder in den Herzkreislauf zu pumpen.

Damit es also gar nicht erst soweit kommt: Bewegen Sie sich! Häufiges Aufstehen und Herumlaufen, Fußgymnastik, wenn Laufen nicht möglich ist und ausreichend trinken ist die beste Vorbeugung gegen eine Thrombose.


(1) Quellen: dt. Gesellschaft für Angiologie und Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V.

 (2 ) Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (Pneumologie 2020; 74: 481-492

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